Sozialdienst katholischer Frauen – 97 Jahre Dienst am Nächsten
Am 19.02.1913 gründete Fräulein Delphine Heynen, Lehrerin an der Marktschule in Stolberg,
mit Frau Katharina Peltzer den Katholischen Fürsorge - Verein für Mädchen, Frauen und
Kinder in Stolberg.
Zweck des Vereins war: ”sich der sittlich gefährdeten Frauen und Mädchen und der verwahrlosten
Jugend anzunehmen.“
Während des Krieges 1914 -1918 wurden die Frauen und Mädchen betreut, die in den Fabriken
mit den in der Heimat gebliebenen Männern tagsüber und auch in der Nachtschicht zusammen
arbeiten mußten. Eine sogenannte "Fabrikpflegerin" wurde eingestellt. Diese Fürsorgerin
besuchte die Frauen in den einzelnen Betrieben. Für damalige Verhältnisse war das in einer
Kleinstadt fortschrittliches Denken und Handeln, rein aus der Initiative katholischer Frauen.
Gleichzeitig leitete Frau Katharina Peltzer die Kriegsküche, wo täglich ca. 3000 – 3500
Personen gespeist wurden.
Immer dringender stellte sich für die vielfältig wachsende Arbeit die Notwendigkeit heraus,
ein eigenes Haus zu haben, wo man Obdachlose und aus Stellen entlassene Mädchen aufnehmen
konnte, ”damit sie nicht auf Friedhöfen und in Straßengräben übernachten, wie es öfters vorkam“.
1927 schenkte die Stadt Stolberg dem Katholischen Fürsorgeverein das Grundstück ”Am großen Rad“
und die Steine zum Bau eines Heimes. Am 8.10.1927 konnte der Grundstein gelegt werden. Ein Jahr
später fand die Eröffnung des Heimes statt. Man nannte es Agnesheim, zum Gedenken an die
Gründerin des Gesamtvereins.
1928 stellte der Katholische Fürsorgeverein die erste hauptamtliche Fürsorgerin für den Außendienst
ein. Das Sprechzimmer befand sich im Agnesheim.
Während der Hitlerzeit wurde die Arbeit des Vereins sehr eingeschränkt und überwacht.
Im Sommer 1934 setzten Schikanen seitens des städtischen Jugendamtes ein, dessen Dienststellenleiter
zugleich die Sozialabteilung der Nationalen Volkswohlfahrt (NSV) und der Hitlerjugend (HJ) leitete.
Die Betreuung der gefährdeten Jugend lag somit ganz in den Händen der Partei.
Der Katholische Fürsorgeverein durfte sich nur noch um kranke Erwachsenen kümmern. Und trotzdem
wurde weitergearbeitet. Es war eine schwierige gefahrvolle Arbeit im Verborgenen.
Die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg stellte neue, große Aufgaben. 1946 zählte der Fürsorgeverein
neben 5 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen im Agnesheim und einer Fürsorgerin wieder 70 ehrenamtliche
Mitglieder.
1951 kaufte der Katholische Fürsorgeverein mit finanzieller Unterstützung des Generaldirektors
und Stolberger Ehrenbürgers Adam Lambertz das Grundstück Birkengangstraße 5 zum Bau eines
Mädchenwohnheimes.
1953 erfolgte die Einweihung des Erweiterungsbaus des Agnesheimes, und 1954 wurde das Haus
”St. Elisabeth“ mit 52 Plätzen eröffnet.
1969 erfolgte die Namensänderung des Gesamtverbandes in Sozialdienst katholischer Frauen
, abgekürzt SkF.
1969 begann der SkF mit der Projektarbeit in der Obdachlosensiedlung
Bodelschwinghstraße.
Fachkräfte wurden eingestellt, die die Familien und die Kinder betreuten. Eine Spiel- und Lernstube
wurde aufgebaut und eingerichtet, der auch eine regelmäßige Schularbeitshilfe angegliedert war.
Weitere Beratungsschwerpunkte waren:
- Allgemeine soziale Beratung – Hilfe in schwierigen Lebenssituationen
- Beratung und Hilfe zur Resozialisierung von Jugendlichen im Anschluß an einen Heimaufenthalt (Modellprojekt LVR)
- Beratung und Hilfe in Konfliktsituationen bei unerwünschter Schwangerschaft
- Beratung und Hilfe für alleinstehende Frauen und Mütter
Mit der personellen Ausweitung wurde das Sprechzimmer im Agnesheim zu klein.
Mit Unterstützung der Stadtverwaltung wurde 1971 die erste Geschäftsstelle in der Rathausstraße
49 bezogen.
Mit Beginn der Obdachlosenarbeit gründete Frau Josefine Kerschgens die Kleiderkammer. Hier erfolgte die
Verteilung von Kleidung und Spielsachen, die in der Bevölkerung durch die Pfarren gesammelt wurden.
Die im Rat der Stadt beschlossene Auflösung der Obdachlosensiedlung 1976, hatte zur Folge, dass die
Familien meist gehäuft in verschiedenen Stadtteilen neu angesiedelt wurden. Neue Brennpunkte entstanden.
Der SkF organisierte deshalb in der Grundschule Mausbach und in der Grüntalschule
(später Birkengangstraße)sog. Schularbeitshilfen für die Kinder aus diesen Familien.
Im Mai 1979 konnte die Beratungsstelle in die eigenen Räume des Gebäudes Birkengangstraße 5
übersiedeln, wo heute noch die Geschäftsstelle und alle Fachdienste angesiedelt sind.